Ausgabe 78 / 2003 vom 20.04.2003
Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC
WRC-03: DIE POSITIONEN
(rps) In wenigen Wochen ist es soweit: Die Weltfunkkonferenz
WRC-03
der ITU beginnt in Genf - und damit diejenige internationale Tagung,
die den Amateurfunk wie kaum eine andere jemals zuvor verändern
wird. Mit welchen Positionen gehen die Staaten dieser Welt in diese
Konferenz? Heute und in den nächsten Wochen wollen wir darüber
berichten, jedenfalls, was den Amateurfunk anbelangt.
Politisch wichtig sind vor allem drei Gruppierungen: Zunächst
einmal die CEPT
- die "Europäische Konferenz der Verwaltungen für
Post und Telekommunikation" - sie vertritt Europa. Weiterhin
gibt es CITEL
- die "Inter-American Telecommunication Commission" -
das sind die Staaten von Nord- und Südamerika, und schließlich
APT - die "Asia-Pacific
Telecommunity" der asiatischen und pazifischen Staaten. Innerhalb
dieser Gruppen sprechen sich die Staaten untereinander ab und einigen
sich auf eine gemeinsame Position: In Europa heißt so etwas
CEP - das steht für "Common European Proposal".
Heute reden wir über die Prüfung in Morsetelegraphie:
Die Europäer wollen zukünftig die folgende Regelung und
schlagen diesen Text für die VO-Funk vor:
"Die Verwaltungen sollen entscheiden, ob eine Person,
die um eine Genehmigung zum Betreiben einer Amateurfunkstelle
nachsucht, nachweisen muss, dass sie in der Lage ist, Texte in
Morsetelegrafie korrekt aussenden und empfangen zu können,
oder nicht."
Sowohl die Frequenzgrenze von 30 MHz, als auch der Zwang zu
einer praktischen Prüfung, als auch die Prüfungsverpflichtung
überhaupt sind hier gegenüber der heutigen Regelung entfallen.
Jedes Land soll für sich selbst festlegen, ob man CW prüft,
und wenn ja, für welche Frequenzen und auf welche Art. Mit
dieser Verbeugung in Richtung Moskau steht Europa allerdings alleine
da. Die amerikanischen Staaten in der CITEL und auch der asiatisch-pazifische
Raum in der APT treten dafür ein, überhaupt keine Aussage
zu Morsetelegrafie mehr zu machen. Sie wollen diesen Begriff nicht
mehr in der VO-Funk erwähnen und damit den bisherigen Artikel
S25.5 ersatzlos streichen. Wir meinen: Das ist die bessere - weil
geradlinigere - Lösung; denn auch sie lässt den Verwaltungen
alle Optionen offen.
Interessant ist die Begründung, die Australien vorträgt:
Der Wegfall der CW-Prüfung wird zu einer deutlich höheren
Zahl von Funkamateuren führen, die auf der Kurzwelle für
den Not- und Katastrophenfunkverkehr zur Verfügung stehen,
und dies sei dringend gewünscht. So wird in australischer Sicht
der Amateurfunk insgesamt deutlich an Attraktivität in der
Gesellschaft gewinnen. Dem kann man nur ganz laut zustimmen.
Fest stehen heute schon zwei wesentliche Dinge: Erstens - die
Mehrheit gegen eine Festschreibung der Morsetelegrafieprüfung
in der VO-Funk ist gesichert - und zweitens: Nur sehr wenige Staaten
werden an der CW-Prüfung festhalten - und Europa gehört
mit der Ausnahme von Russland nicht dazu. Mehr noch: Viele Länder
der Europäischen Union haben bereits angekündigt, ihren
CEPT-2-Lizenzen sofort und unmittelbar nach der WRC-03 die Kurzwelle
zu öffnen. Hierzu gehören unter anderem unsere Nachbarländer
Österreich und Niederlande.
Nächste Woche geht's weiter - mit den Positionen der Staaten
dieser Welt zu Drittenverkehr und zu den Inhalten von Aussendungen.
DAS PRÄSIDIUM DES OEVSV BERICHTET
(hfs) Michael Zwingl, OE3MZC, der neue Präsident des Österreichischen
Versuchssenderverbandes OEVSV,
gab kürzlich einem Rundspruchredakteur in OE ein Interview.
Hier die wesentlichen Inhalte, die als progressiv zu bezeichnen
sind:
Bei der kommenden WRC im Juni 2003 ist mit großer Sicherheit
zu erwarten, dass CW als Zugangsberechtigung zur Kurzwelle fallen
wird. Es gibt zur Zeit in diesem Zusammenhang Überlegungen,
wie die gegenseitige internationale Anerkennung der Lizenzen künftig
erfolgen soll. Eine neue europäische Lizenzstruktur ohne CW
werde bei der CEPT harmonisiert. Vorgespräche mit der Behörde
würden geführt, damit gleich nach der Freigabe der Kurzwelle
dieser Umbruch in einer nationalen Verordnung rasch legalisiert
wird. Echo-Link-Verbindungen über Gateways sind innerhalb eines
"Interpretations-Spielraumes" des nationalen Amateurfunkrechts
legal. Schließlich arbeitet der OEVSV intensiv gegen PLC,
das sich in Österreich momentan stark bei der "In-House"-Verkabelung
ausbreitet: Supermärkte bieten Geräte für etwa 100
Euro an.
Soweit Michael Zwingl, OE3MZC, Präsident des OEVSV.
OE1M MACHT QRT
(red) Am Samstag, dem 26. April 2003 sendet zum letzten Mal
von 00:00 bis 24:00 UTC OE1M, die Amateurfunk-Sonderstation von
Radio Österreich International, anlässlich des Internationalen
Marconi-Tages. Auf der Kombi-QSL werden auch Empfangsberichte zu
allen Sendungen von Radio Österreich International an diesem
Tag bestätigt - eine letzte Chance, zu einer QSL der Stimme
Österreichs aus Wien zu kommen, zumal der österreichische
Auslandsrundfunk zum 1. Juli dieses Jahres trotz massiver Hörerproteste
seinen Sendebetrieb vollständig einstellt. Die Anschrift für
QSLs lautet:
OE1M
c/o ORF / Radio Austria International
A-1040 Wien
Österreich
Zum Erhalt dieser QSL-Karte schicken Sie bitte einen adressierten
Rückumschlag sowie einen IRC, einen US-Dollar oder österreichische
Briefmarken als Portoersatz. Detailinfos findet man unter http://roi.orf.at/intermedia/marconi/welcome.html.
AMATEURFUNK BLICKT NACH VORNE
(hfs) Hermann, DK6XH, hat zur Betrachtung des Internets als
Ausbreitungsmedium den richtigen Ansatz; er schreibt - natürlich
im Internet:
" ... Meiner unmaßgeblichen Meinung nach tut sich
da ein interessantes Betätigungsfeld auf, das - in einen
anderen Rahmen gestellt - nicht den AmateurFUNK ersetzt, sondern
_ergänzt_. Wer das Hobby Amateurfunk weniger der Technik
wegen, sondern vielmehr zum Zwecke der Kommunikation betreibt
(und das sind heute halt schätzungsweise über 90 Prozent),
dem öffnen sich ganz neue Möglichkeiten. Und das in
Zeiten, in denen immer weniger über effiziente Antennenmöglichkeiten
verfügen."
Dem ist nichts hinzuzufügen.
INTERNET JETZT DOCH ALS AUSBREITUNGSMEDIUM
(hfs) Die Weitsicht der AGZ, das Internet nicht als abzulehnenden
Konkurrenten zu betrachten, sondern als Ausbreitungsmedium produktiv
zu benutzen, hat sich durchgesetzt. Der zahlenmäßig größte
Lobby-Vertreter in Deutschland folgte diese Woche den Erkenntnissen
der AGZ e.V. in einer Vorstands-Information - allerdings mit einer
Verspätung von einigen Jahren.
INTERNATIONALER MARCONI-TAG
(hfs) ist am kommenden Samstag, dem 26. April 2003. Dieser 24-Stunden-Event
wird jährlich zum Gedenken an Guglielmo Marconi veranstaltet
und ist nicht als Contest zu verstehen; er dient der Völkerverständigung
schlechthin. Marconi wurde am 25. April 1874 geboren. Es werden
35 Sonderstationen in der Luft sein inklusive 15 Stationen aus Großbritannien
- darunter Rufzeichen wie GB2MD, VO1MD und IY4FGM.
Quelle: RSGB
WELTTAG DER FUNKAMATEURE
(hfs) sang- und klanglos untergegangen. Der von der IARU proklamierte
Welt-Amateurfunk-Tag ist am Karfreitag, den 18. April ohne größere
Aufmerksamkeit vorbei gegangen: wieder eine verpasste Chance, erfolgreich
Öffentlichkeitsarbeit zu machen und um Sympathie für den
Amateurfunk zu werben. Weder in Tageszeitungen, noch in Fachzeitschriften
konnten wir Beiträge finden.
GLOSSE
(hfs) Nachdem der IARU-Vertreter in Deutschland zusammen mit
der russischen Achse des Rückwärtigen CW als Zugangsvoraussetzung
zur Kurzwelle beibehalten will, werden ihm die CEPT-2-Lizenzen davonlaufen.
Nachdem der IARU-Vertreter in Deutschland seit dieser Woche die
deutschen automatischen und fernbedienten Sprach-Umsetzer mittels
Internet vernetzen will, werden ihm die Fundamentalisten davonlaufen.
Vorausschauend hat der Webmaster auf der DOK-Homepage des IARU-Vertreters
bereits fünf SCHULDIGE im Sträflingskostüm gezeigt
- was wohl die Verantwortlichen des sich anbahnenden Desasters darstellen
soll.
ZUM GUTEN SCHLUSS
Die Redaktion von HamRadio 2day und alle Mitglieder der AGZ
wünschen allen Hörern und Lesern dieses Rundspruches Frohe
Ostern.
Vy 73
Hermann, DL1EEC
Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung und zur Nutzung
durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate
mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet
und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie
bitte an dl0agz@aol.com im Internet
oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.
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