Ausgabe 81 / 2003 vom 11.05.2003
Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC
GAST-KOMMENTARE
(hfs) stellen nicht die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers
dar. Gerade deswegen bietet die Redaktion von HamRadio 2day Funkamateuren
eine Plattform, auf der sie ihre ganz persönliche Sicht der
Dinge darlegen können.
HEUTE: NILS SCHIFFHAUER, DK8OK
(ns) Das "Memorandum": Eine Studie in Zynismus.
Drei ehemals führende Repräsentanten des Amateurfunks
in Deutschland haben sich kürzlich in einem Memorandum den
von ihnen angerichteten Flurschaden besehen - und den Kopf geschüttelt
über so viel Unvernunft und vertane Chancen. Zur Abstellung
einiger nachteiliger Entwicklungen, die unser Hobby unter ihrem
Regiment nahm, machen sie nun einige Vorschläge. Deren Mehrzahl
dürfte jeder zustimmen. Etwa dem Aufruf an den Vereinsfunk:
"Mehr Demokratie wagen!" Mir klingelten da die Ohren,
denn mit ähnlichem hatte ich mir ja die Sympathie eines der
Regenten bis aufs Blut verscherzt.
Gerade, weil sich mancher Vorschlag des Ex-Trios so einleuchtend
liest, muss man sie ein wenig an der Praxis messen, mit denen die
drei Herren ihr Amt führten und den Amateurfunk in Deutschland
repräsentierten. Ich will mich auf Äußerungen des
Dr. Horst Ellgering beschränken. Der menschenverachtende Zynismus,
der dieses Memorandum insgesamt grundiert, ist so am augenfälligsten
und an wenigen Beispielen nachzuweisen.
Stichwort Öffentlichkeitsarbeit:
Zu Recht wird festgestellt, dass es sie in wahrnehmbarer Form
für den Amateurfunk nicht gibt, sie andererseits aber notwendig
für den Bestand unseres Hobbys sei. Nun - seine Amtszeit hat
Dr. Ellgering dazu genutzt, genau dieser Forderung entsprechende
Vorschläge abzubürsten und durchaus vorhanden gewesene
Brücken zu den Medien abzureißen.
Stichwort Diskussionen:
Beklagt wird, dass "kontroverse Auseinandersetzungen"
im Vereinsfunk kaum noch stattfinden. Und - auch sie gab es so lange,
bis Herr Dr. Ellgering jene aus seinem Verein entfernen ließ,
die eine Sachdiskussion inhaltlich tatsächlich kontrovers machten.
Dass die "demokratische Meinungsbildung des DARC an seinen
Mitgliedern vorbei gehe", das plappert er nun zehn Jahre später
jenen nach, an denen er auch wegen dieser Äußerungen
kein gutes Haar ließ.
Stichwort RTA:
Gefordert wird, DARC und RTA müssen sich stärker auch
für Randgruppen öffnen. Nun - es ist ja noch jedem erinnerlich,
mit welchen Spielchen man genau diese ins Abseits stellen wollte.
Wie gesagt: Manche in dem Memorandum stehenden Forderungen sind
nachvollziehbar. Und waren es auch schon, als sie vor mehr als zehn
Jahren von jenen geäußert wurden, die man daraufhin einseitig
und öffentlich zu "Gegnern" und "Totengräbern
des Amateurfunks" erklärte. Dass diese Forderungen nun
aber ausgerechnet von denen wiederholt werden, die doch gerade unter
Nutzung außergewöhnlicher materieller, personeller und
informationeller Ressourcen diesen beklagenswerten Zustand von Amateurfunk
und Ham Spirit verursacht haben, mutet etwas schrill an.
Dennoch: Ich wäre froh, wenn sich der Amateurfunk in jene
Richtung entwickeln würde, wie sie das "Memorandum"
beschreibt. Froh schon deshalb, weil dann vieles von dem durchgesetzt
werden würde, was auch ich in der Vergangenheit nicht müde
wurde zu fordern. Nur - wir sollten dabei auf Ratschlag und Mitarbeit
ausgerechnet derer verzichten, die die Karre in den Dreck gefahren
haben. Entschuldigung und Einsicht wären heute von ihnen eher
angebracht als ihr zynisches Erstaunen darüber, wie prächtig
die von ihnen gesetzte Saat aufgegangen ist.
Hätte es übrigens noch eines weiteren Beweises bedurft,
dass die Senioren ausschließlich verlorenen Siegen nachtrauern,
so sollte man den Blick auf das Desaster der RTA-Stellungnahme zur
neuen Amateurfunkverordnung lenken. Sie doch wäre ein ideales
Tätigkeitsfeld gewesen, statt ein Memorandum zu schreiben,
um die eigene Kompetenz und Leistung in die Waagschale zu werfen.
Wenn sie das nicht gemacht haben, können wir auf ihren Rat
verzichten. Haben sie es jedoch, angesichts dieses Ergebnisses erst
recht.
PACKET RADIO VIA INTERNET LEICHT GEMACHT
(hfs) Wer mal schnell in Packet Radio lesen will, was es neues
gibt und kein Funkgerät mit dabei hat, aber einen Computer
mit Internet-Zugang, der findet auf
www.savin.org/gateways
eine Liste mit Telnet-Einwahl-Adressen. Schnelle Gateways mit
Schreibrechten in Europa sind DB0RES und LZ0KIS. Von LZ0KIS aus
geht es dann via DB0ZWI-4 ins deutsche Packet-Radio-Netz.
VOTIEREN FÜR DEN AMATEURFUNK
(hfs) Äußern Sie einfach Ihre Meinung und schreiben
Sie an das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, mit
welcher Stellungnahme zum AFuV-Entwurf Sie sich einverstanden erklären.
Schreiben Sie einfach und formlos, wessen Kommentierung - die der
AGZ oder die des RTA - Ihr persönlicher Favorit ist. Sie vermeiden
damit, dass Ihnen eine AFuV präsentiert wird, die Sie eigentlich
nicht haben wollen. Hier die Adresse:
Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit
- Abteilung VII A 5 -
11019 Berlin
AKTUELLES AUS DER FAZ
(ns) Mit freundlicher Genehmigung des Autors Nils Schiffhauer:
Die Rechnung, bitte!
Regulierungsbehörde hat überaus
wertvolle Mitarbeiter
Behörden sind selten mutig. Deshalb verdient die Regulierungsbehörde
für Telekommunikation und Post (RegTP) besondere Aufmerksamkeit.
Sie erteilt die sogenannte Standortbescheinigung, mit der beinahe
jeder Betreiber eines Senders nachzuweisen hat, damit Leib und Leben
seiner Mitmenschen nicht zu gefährden. Nicht nur um Rundfunksender
und Handystationen geht es da, auch vor einem Grossteil der Freizeitfunker
machen physikalisch begründete und politisch inspirierte Gesetze
nicht Halt.
Funkwellen aber entziehen sich gerne einer exakten Messung,
die Experten deshalb am liebsten mit Hubschrauberflügen rund
um die Antenne vornehmen. Gerade in unmittelbarer Nachbarschaft
einer solchen Funkantenne ist deren elektromagnetisches Feld derart
komplex, dass es einer Berechnung selbst mit Differentialgleichungen
in Divisionsstärke trotzt. Zumal, wenn hierbei noch die selten
im Detail bekannten Eigenschaften des Erdbodens mit zu berücksichtigen
sind.
Wie gut, wenn sich hier Experten aus der Behörde unterm
Sendemast sammeln. Serviceorientiert nehmen sie mit der einen Hand
Berechnungen und Messungen vor, um mit der anderen die ersehnte
Bescheinigung zu gewähren. Schon ersteres ist nicht ganz kostenlos.
Couragiert wirft die Behörde Wissen und Leistungsbereitschaft
ihrer Beamten des höheren Dienstes in die eine Waagschale.
In die andere hat der Bürger 240,17 Euro zu legen - je Stunde,
versteht sich. Was der für diesen Tagessatz von annähernd
2000 Euro erhält, kann so ätherisch wie die Funkwellen
selbst sein. Denn bezahlt wird nach Zeit, nicht etwa nach Leistung.
Wer je Gelegenheit hatte, Arbeitstempo und Kompetenz mancher dieser
Beamten aus teilnehmender Nähe zu beobachten, darf sich auf
mindestens die doppelte Verweildauer rund um die Antenne gefasst
machen, die ein Ingenieurbüro für die selbe Leistung auf
die Rechnung setzte. Das freilich darf das ersehnte Papier nicht
erstellen, womit sich die Beamtensätze als die kommode Preisgestaltung
eines Monopols erklären.
Wie schön, auf diesem Wege der Vollkostenrechnung nun zu
erfahren, wie lieb und teuer dem Staat die vielfach kostenlos gewährten
Leistungen ihrer Beamten ist. Was die RegTP verlangt, scheint überdies
nur ein Minimum zu sein. Lehrer etwa müssten aufgrund ihres
annähernd doppelt so langen Urlaubs und ihrer zur Regel gewordenen
Frühpensionierungen einen noch höheren Stundensatz - pardon:
Schulstundensatz - in Rechnung stellen.
Dass die Verhältnisse der Menschen untereinander allein
durch die bare Zahlung geregelt seien, lehrten uns schon die Klassiker,
die das noch rund 150 Jahre vor Gründung der RegTP für
kalte, egoistische Berechnung hielten. Wir jedoch finden diese Behördenhaltung
wegweisend und geradezu vorbildhaft. So, dass sie keine Einbahnstrasse
bleiben sollte. Auch der Citoyen sollte seine Zeit, in der er dem
Staat für kleinstes Geld und nicht einmal freiwillig zu dienen
hat - vor Gericht oder Behördenschaltern, beispielsweise -
ebenfalls in Rechnung stellen. Von nur zwei Tagen Arbeit im Monat
könnte jeder Akademiker somit mühelos eine sechsköpfige
Familie ernähren. Der Regulierungsbehörde für Telekommunikation
und Post sei Dank, Deutschland diesen Königsweg aus vielerlei
Krisen gewiesen zu haben.
Quelle: Frankfurter
Allgemeine Zeitung vom 6. Mai 2003
LESERBRIEF
Ulrich Onken, DK2GO, schreibt:
"Informationen über Digipeater und Relais in Europa
und anderen Teilen der Welt kann man mit dem Programm 'Hammap'
abrufen. Das Programm (mit Kartendarstellungen und anderem Komfort)
ist kommerziell, aber die Daten sind Public Domain, also frei
nutzbar. Einige Funkamateure tragen freiwillig dazu bei, diese
Daten aktuell zu halten.
Den Datenbestand kann man in vielen Packet-Radio-Mailboxen
abfragen, inklusive den Angaben zum Standort und zur Vernetzung.
Bei HB9EAS-8 dienen die Befehle DIGIINFO und STNINFO zur Datenabfrage.
Die Originaldaten liegen im Fileserver der Box (und natürlich
auf der Hammap-Homepage im Internet). Klar, es gibt noch detailliertere
Daten, aber die hat leider die RegTP unter Verschluss.
Von einer 'Geheimniskrämerei um Repeater und Digipeater
in Deutschland' kann unter Berücksichtigung dieser Datenbank
jedenfalls nicht die Rede sein. Fehler und Lücken im Datenbestand
gibt es, aber das Gleiche gilt für das erwähnte Informationssystem
in den USA. Dort vermisse ich z.B. die Station W0RLI, die als
eine der wenigen in den USA die Vernetzung über Afu-Frequenzen
(statt über das Internet) betreibt.
Ich wünsche mir als Leser dieses Rundspruchs eine bessere
Trennung von Nachricht und Meinung."
(red) Uli, die Kritik ist angekommen!
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Hermann, DL1EEC
Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung und zur Nutzung
durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate
mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet
und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie
bitte an dl0agz@aol.com im Internet
oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.
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