Ausgabe 98 / 2003 vom 14.09.2003
Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC
EUROPA ERZWINGT LIBERALE FREQUENZNUTZUNG:
CB-FUNK NUN WEITGEHEND GENEHMIGUNGS- UND GEBÜHRENFREI
(rps) Die Richtlinie 2002/20/EG,
die das Europäische Parlament und der Europäische Rat
im März 2002 zum Telekommunikationssektor erlassen haben, zwingt
die Mitgliedsstaaten, die Nutzung von Funkfrequenzen so weit wie
möglich nicht von individuellen Verwaltungsakten abhängig
zu machen. Statt dessen verlangt Europa, liberale und bürokratiefreie
Allgemeingenehmigungen auszusprechen, wo immer dies möglich
ist. Diese Richtlinie sollte eigentlich spätestens bis April
dieses Jahres in nationales Recht umgesetzt worden sein.
Auch hier kommt die RegTP spät und veröffentlicht
in ihrem aktuellen Amtsblatt Nr. 18 vom 10. September mit Verfügung
41/2003 eine neu gestaltete Allgemeingenehmigung für den
CB-Funk. Mit deren Veröffentlichung werden die bisherigen Einzelfrequenzzuteilungen
in Allgemeinzuteilungen für jedermann umgewandelt. Wichtige
Konsequenz: Damit entfällt auch die bisherige Pflicht zur Entrichtung
von Frequenznutzungs- und EMV-Beiträgen für die CB-Funker
- und dies rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres. Ausgenommen
hiervon ist allerdings die ortsfeste Nutzung der erweiterten CB-Funkkanäle
41 bis 80 in den Grenzzonen zu den Nachbarländern. Nur in diesen
seltenen Sonderfällen, die nun möglich sind und die einzeln
geprüft werden müssen, ist weiterhin eine besondere Einzelfrequenzzuteilung
erforderlich.
Im Ergebnis ist der CB-Funk in Deutschland damit weitestgehend
gebühren- und genehmigungsfrei - sei es nun SSB, AM oder auch
die Sonderkanäle im Landesinneren. Diese Entscheidung der Regulierungsbehörde
ist zu begrüßen. Allerdings ist die Höhe der im
Amateurfunk aktuell erhobenen Frequenznutzungs- und EMV-Beiträge
jetzt nun wirklich nicht mehr zu vermitteln: Ein reiner Spaß-
und Hobbyfunk wird von allen Kosten befreit, und der wissenschaftlich-technische
Experimentalfunkdienst namens "Amateurfunk", der laut
Gesetz klar umrissene gemeinnützige Aufgaben in Ausbildung,
Völkerverständigung und Katastrophenschutz hat, der darf
weiterhin zahlen ... Uns bleibt nur Kopfschütteln.
CB-FUNK MIT AMATEURFUNK-GERÄTEN NUN ERLAUBT ?
(rps) Die Regulierungsbehörde hat dem CB-Funk diese Woche
einen Blumenstrauß an neuen Privilegien und Möglichkeiten
überreicht. So wird erstmals die Frequenznutzung nicht mehr
- wie bisher - von der Verwendung von speziellen Geräten abhängig
gemacht, die mit CE-Zeichen und Normen gekennzeichnet sind. Statt
dessen wird die Einhaltung von technischen und betrieblichen Nutzungsbestimmungen
verlangt, die detailliert im Amtsblatt aufgelistet sind, und dies
geräteunabhängig. Hält man sich also an die erlaubten
- regional unterschiedlichen - Frequenzen, an maximal 4 Watt Senderleistung,
an eine Kanalbandbreite von 10 kHz, an die Sendearten F3E oder G3E,
an einen Hub von maximal 2 kHz, und an noch einige andere Dinge
wie u.a. an eine Oberwellenaussendung von maximal -54 dBm, dann
ist CB-Funk mit dem Amateurfunk-Kurzwellentransceiver - auch bei
Feststationen - jetzt legal.
Gut so! Allerdings muss die Funkstelle bei mehr als 10 Watt
EIRP eine Standortbescheinigung nach BEMFV haben, auch wenn es eine
Amateurfunkstelle ist - und die verwendeten Geräte unterliegen
in vollem Umfang den Bestimmungen von EMVG und FTEG, und zwar ohne
die Erleichterungen, die es für den Amateurfunk hier gibt.
Im folgenden nun einige weitere Highlights der neuen Allgemeingenehmigung:
- Die Befristung für die SSB-Genehmigungen zum 30. April
2004 ist aufgehoben.
- Die Senderleistung für AM darf jetzt 1 Watt Trägerleistung
betragen.
- Für Datenfunk sind zusätzlich die Kanäle 6
und 7 freigegeben und der unbemannte Betrieb der CB-Funkstelle
ist jedermann erlaubt.
- Das Sendeverbot auf den Kanälen 41 bis 80 in den Schutzzonen
zu den Nachbarländern gilt nicht mehr für mobile und
portable Stationen. Ortsfeste Stationen in den Schutzzonen können
nun auf Antrag Einzelgenehmigungen erhalten.
Den Wortlaut der zugrunde liegenden Verfügung
41/2003 finden Sie auf der Website der Regulierungsbehörde:
www.regtp.de.
DECKELT EUROPA DEN AMATEURFUNK ?
(rps) Wir berichteten letzte Woche: Die Europäische Kommission
wird am 16. Oktober in Sachen PowerLine Communication - PLC - aktiv.
Was sind die Hintergründe, und um was genau geht es bei dieser
Sitzung, zu der nur Vertreter der Regulierungsbehörden geladen
sind? Wir haben recherchiert.
Europa soll bis zum Jahr 2010 die weltweit führende wissensbasierte
Gesellschaft werden - so das hoch gestreckte Ziel der EU, das im
Jahre 2000 auf dem Lissabonner Gipfel formuliert wurde. Als wesentlich
und unverzichtbar betrachtet die Brüsseler Kommission in diesem
Zusammenhang Breitbandzugänge zum Internet. Und genau hier
hapert es in den meisten Mitgliedsländern. Brüssel mahnt
an, dass endlich Bewegung ins Spiel kommen muss - und zwar auf preiswerte
Art und Weise. Dabei scheidet die Neuverlegung von Kupferkabeln
oder Lichtleitern natürlich aus. PLC auf vorhandenen Stromnetzen
sei die Lösung schlechthin; sie wird von der EU-Kommission
ausdrücklich unterstützt, um das politische Ziel der weltbesten
Wissensgesellschaft schnell und angeblich effizient zu erreichen.
Brüssel fordert konkret, europaweit harmonisierte Störstrahlungsnormen,
Interferenzmodelle und Messverfahren kurzfristig und verbindlich
zu definieren: ein Seitenhieb gegen die Normungsgremien, die das
seit Jahren vergeblich versuchen - zu groß sind die technischen
Schwierigkeiten sowie die Interessensgegensätze von PLC-Industrie
und Frequenznutzern im freien Äther. Die Mitgliedsstaaten sollen
angehalten werden, nun endlich die gesetzlichen und regulatorischen
Grundlagen zu schaffen, damit die Industrie ihre bereits entwickelten
PLC-Systeme zügig europaweit harmonisiert vermarkten kann.
Dazu bedarf es großzügiger Grenzwerte, denn die Industrie
hat mehrfach betont, dass sie mit den aktuellen nicht zurande kommt.
So wird in einem Arbeitspapier zur Brüsseler Sitzung am 16.
Oktober auch gleich ein konkreter Störfeldstärke-Grenzwert
vorgeschlagen: 55 dB über einem Mikrovolt pro Meter in drei
Metern Abstand soll er betragen. Das ist schlicht schockierend:
Es ist je nach Frequenz zwischen 17 und 28 dB mehr, als die berüchtigte
"NB 30" in Deutschland bisher vorsieht. Der Amateurfunk
wäre am Ende - Störfeldstärken von S9 plus 20 bis
30 dB auf der gesamten Kurzwelle würden ihn in der Tat im wahren
Wortsinne "deckeln".
Der AGZ liegen die Papiere zur Sitzung vor. Unser Protest ist
sicher. Gott sei Dank hat Europa bisher jedoch keine Richtlinienkompetenz
bei der Frequenznutzung, d.h. bei der Planung und Vergabe von Frequenzen.
Dies ist nach wie vor eine Angelegenheit auf der nationalen Ebene
eines jeden Mitgliedslandes. PLC kann somit als leitergebundenes
System grundsätzlich kein "primärer Nutzer"
werden. Der von Brüssel vorgesehene Grenzwert beruht daher
auf der EMV-Direktive - ein an sich korrektes Vorgehen, was jedoch
in diesem Fall mit elektromagnetischer Verträglichkeit von
Geräten nicht mehr viel zu tun hat: Der vorgesehene EU-Grenzwert
ist derart unverschämt hoch, dass es sich de facto doch um
eine Frequenznutzung im freien Äther handelt.
Und dagegen haben nicht nur die Funkamateure etwas einzuwenden.
Europa wird zunehmend wichtiger für uns ...
DL8DMA LÄDT ZUM POLIT-TREFF IN WERL EIN
(red) Der vierte Werler Polittreff findet nächsten Freitag
am 19. September um 20:00 Uhr Ortszeit statt, und zwar im Hotel
Maifeld, Hammer Landstrasse 4 in 59457 Werl.
Es gibt gute Gründe, der Diskussion um die Zukunft des
Amateurfunks beizuwohnen und durch die persönliche Anwesenheit
den Amateurfunk zu stärken! Nur eine starke Gemeinschaft kann
wichtige Ziele erreichen, und diese Gemeinschaft muss nach außen
auch gezeigt werden!
Die Politik der Europäischen Union nimmt massiv Einfluss
auf nationale Regelungen und Gesetze, wovon auch der Amateurfunk
betroffen sein wird. Beispiele sind der neue Entwurf der EMV-Direktive
und die Bestrebungen zur Stärkung von PLC. Teilnehmer der Diskussion
sind Europapolitiker von Bündnis 90/Grüne, CDU, FDP und
SPD. Von Seiten des Amateurfunks sind Gaston Bertels, ON4WF, Vorsitzender
der EUROCOM, sowie Vorstandsmitglieder von DARC und RTA anwesend.
Weitere Infos finden Sie in CQ DL Juni 2003 auf Seite 391 und im
Internet unter
www.o49-werl.de.
HamRadio 2day wird Sie am nächsten Sonntag ausführlich
informieren.
ÜBER DEN TELLERRAND SCHAUTE
(tu) am letzten Wochenende der Arbeitskreis "Amateurfunk
und Telekommunikation in der Schule", AATiS e.V. Mit der Aufgabenstellung,
auch einmal etwas für die erfahrenen Funkamateure zu tun, hat
der AATiS mit Unterstützung des AJW-Referats im DARC-Distrikt
Köln-Aachen ein Seminar zum Bau eines 23 cm FM-Transceivers
ins Leben gerufen.
Der von Günther, DF5FC, und Gunter, DL3ABQ, entwickelte
Transceiver mit Doppel-PLL, vierzeiligem Display und wohldurchdachtem
Fünftasten-Bedienkonzept lag vorletzten Samstag nach nur einem
Jahr Entwicklungszeit im Beta-Stadium vor. Die Platinen, mit den
aktuell kleinen SMD-Bauteilen vorbestückt, wurden von den Teilnehmern
um die bedrahteten Bauteile und die interne Verdrahtung ergänzt.
Den Zwischentest haben dann auch alle Transceiver bestanden. Die
danach auftretenden Probleme mit einigen Endstufen und wenigen Controllern
konnten den Erfolg des Seminars nicht in Frage stellen. Für
weitere Informationen steht die Web-Site des AATiS e.V. unter
www.aatis.de
zur Verfügung. Das bewährte Betreuerteam von Simone,
DJ2KS, freut sich schon auf die nächsten Teilnehmer.
ZUM SCHLUSS: MERKMAL
(red) Im Sinne des AFuG-97 ist "Amateurfunkdienst"
ein Funkdienst, der von Funkamateuren untereinander, zu experimentellen
und technisch-wissenschaftlichen Studien, zur eigenen Weiterbildung,
zur Völkerverständigung und zur Unterstützung von
Hilfsaktionen in Not- und Katastrophenfällen wahrgenommen wird;
der Amateurfunkdienst schließt die Benutzung von Weltraumfunkstellen
ein. Der Amateurfunkdienst und der Amateurfunkdienst über Satelliten
sind keine Sicherheitsfunkdienste.
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Hermann, DL1EEC
Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung und zur Nutzung
durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate
mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet
und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie
bitte an dl0agz@aol.com im Internet
oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.
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