Ausgabe 106 / 2003 vom 09.11.2003
Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC
LEITARTIKEL
(hfs) Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit und
sein Referatsleiter Dr. Tettenborn haben schon richtig reagiert,
wenn sie dem RTA in Sachen Klassifizierung die kalte Schulter zeigen
und von dessen Vorschlag zur "Gettoisierung" der deutschen
Funkamateure nichts wissen wollen.
Eine Behörde votiert doch während der WRC-03 nicht
für eine Verschmelzung der CEPT-Klassen 1 und 2, um danach
mittels Kehrtwendung dem Gewinnstreben eines Wirtschaftsunternehmens
zu folgen und ihm die Infrastruktur für sein Mitgliedsmanagement
zu schaffen. Wenn dem so wäre, könnte man die Reisekosten
zur WRC-03 posthum als Steuerverschwendung deklarieren.
Herr Dr. Tettenborn sollte ernsthaft prüfen lassen, ob
seine amateurfunkenden Beamten und die der RegTP auch wirklich ihre
Arbeit im Sinne ihres Arbeitgebers und ihres Dienstauftrags machen
und nicht während des Dienstes verlängerter Arm ihres
Freizeitgestalters spielen.
Hermann,
DL1EEC
NEUORDNUNG DER ZEUGNISKLASSEN
(red) Die Novellierung der Amateurfunkverordnung bringt auch
eine Neuorientierung der Genehmigungsklassen im deutschen Amateurfunk
mit sich. Zwischen den Funkamateuren wird gegenwärtig intensiv
diskutiert und gestritten, wie eine neue Struktur aussehen soll.
Klar ist nur, dass die heutigen Klassen 1 und 2 zu einer gemeinsamen
telegrafiefreien Klasse zusammen gelegt werden.
Die AGZ e.V. hat diese Woche ihre Vorstellungen dem zuständigen
Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit mitgeteilt. Abstrusen
und ausgrenzenden Vorschlägen - wie etwa der fortgesetzten
Kennzeichnung einer bestandenen CW-Prüfung durch besondere
Rufzeichenblöcke und einem Verbot von Club-, Relais- und Ausbildungsrufzeichen
für die Einsteigerklasse - haben wir dabei eine klare Absage
erteilt.
Genehmigungsabstufungen führen immer zu Zerwürfnissen
und zu Streit, wie die Vergangenheit in Sachen CW deutlich gezeigt
hat. Sie sind in unserer Sicht zunächst einmal grundsätzlich
zu vermeiden. Sie sind kein Selbstzweck und sie sind nur in soweit
vorzusehen, wie sie dem Amateurfunkdienst in direkter Weise nutzen.
Direkten Nutzen, der den Schaden überwiegt, sehen wir ausschließlich
in einer einzigen zusätzlichen Genehmigungsklasse mit abgesenktem
Technik-Niveau, die den Zugang zum Amateurfunk in der Bevölkerung
auf eine breitere Basis stellt. Wir treten also für ein zweigliederiges
System ein, dessen Klassen wir "A-Klasse" und "QRP-Klasse"
nennen wollen.
Die beiden Klassen sollen sich ausschließlich in zwei
Dingen unterscheiden, die sich gegenseitig sachlogisch bedingen:
in der erlaubten maximalen Sender- bzw. Strahlungsleistung und im
Niveau bzw. Schwierigkeitsgrad der Technik-Prüfung. Alle anderen
Dinge sollen identisch sein, wie etwa die Prüfungsteile "Betrieb"
und "Vorschriften" und auch die zugeteilten Frequenzbänder
und Maximalbandbreiten.
Für den Nachfolger der heutigen Klasse 3, den wir "QRP-Klasse"
nennen, fordern wir insbesondere die Anhebung des Niveaus der Prüfung
in Betrieb und Vorschriften, denn schließlich treffen sich
alle Funkamateure auf denselben Frequenzen und müssen dort
auch gleich Bescheid wissen. Hier sahen wir in der Vergangenheit
Defizite. Im Gegenzug soll die Technik-Prüfung abgesenkt werden,
um speziell für die Vorbereitung auf die Unterstützungsleistung
in Not- und Katastrophenfällen den Amateurfunk in der Bevölkerung
auf eine breitere Basis zu stellen, die kommunikationsorientiert
ist. Diese Klasse soll auf allen Frequenzen - also auch auf der
Kurzwelle - auf 10 Watt EIRP beschränkt werden. Alles andere
ist politisch zur Zeit zu unserem Leidwesen in Deutschland nicht
durchsetzbar. Vom mittlerweile genehmigungs- und gebührenfreien
CB-Funk muss sie sich zudem ausreichend abheben: Der Zugang zur
Kurzwelle ist dazu unverzichtbar.
Unser Konzept hat den Vorteil, dass die A-Klasse, der - vorbehaltlich
der Personensicherheit gemäss BEMFV - eine maximale Senderleistung
von 1000 Watt erlaubt sein soll, durch eine anspruchsvolle Zusatzprüfung
in Technik von der QRP-Klasse aus erreicht werden kann. Diese Prüfung
soll alle wichtigen Inhalte umfassen, die im Umgang mit hoher Senderleistung
notwendig sind - einschließlich der umweltrechtlichen Bestimmungen
und der Feldberechnungsverfahren, und sie soll den Prüfling
befähigen, anspruchsvolle wissenschaftliche Experimente durchzuführen,
die eine hohe Strahlungsleistung erfordern, wie z.B. EME, Meteor
Scatter und vieles mehr - vor allem oberhalb von 30 MHz.
Wir sprechen uns dafür aus, langfristig in beiden Klassen
das Niveau insgesamt zu erhalten, bei der QRP-Klasse jedoch eine
neue Wichtung zu Gunsten der Prüfungsteile "Betrieb"
und "Vorschriften" vorzunehmen.
Die vollständige
Stellungnahme finden Sie im Internet-Angebot der AGZ e.V. unter
dem Navigationspunkt "Statements".
ORDNUNGSWIDRIGKEIT KOMMT
(rps) Die Bundesregierung plant für nächstes Jahr
die Änderung des Gesetzes über Funkanlagen und Telekommunikationsendeinrichtungen
(FTEG) und der Verordnung über das Nachweisverfahren zur Begrenzung
elektromagnetischer Felder (BEMFV). Bei dieser Gelegenheit sollen
auch die Rechtsgrundlagen geschaffen werden, um erstmals die Verletzung
der Vorschriften der BEMFV zur Ordnungswidrigkeit erklären
zu können.
Wie wir diese Woche aus dem Bundesministerium für Wirtschaft
und Arbeit erfahren haben, soll dies auch für den Amateurfunk
gelten. Das BMWA plant, für das Überschreiten der verbindlichen
Feldstärkegrenzwerte außerhalb des kontrollierbaren Bereichs
- und auch für das Senden mit mehr als 10 Watt EIRP ohne Abgabe
einer entsprechenden Anzeige - empfindliche Bußgeldstrafen
einzuführen.
LESERBRIEFE
(red) Dieter Weber, DL8NAJ, schrieb uns:
Werter OM Dr. Schorn,
distanzieren Sie sich doch schlicht und einfach in Packet
Radio von der "Gewusel-Aussage" Ihres Funkfreundes und
Vereinsmitgliedes und ein Grossteil der Afu-Welt wäre wieder
(auch für Sie) zurechtgerückt. Wie Sie sehen, benutze
ich bewusst nicht die PR-Basis, Ihnen meinen Wunsch und meine
Bitte mitzuteilen.
M.f.G.
Dieter, DL8NAJ
"Amtshilfe": Rainer Benemann, DB6EU, bat um die Veröffentlichung
seines folgenden Briefes in HamRadio 2day:
Betreff: Neuerliche Klassifizierung
An DARC e.V. und an das
Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit
Referat VII A 5
Herrn Dr. Tettenborn
In der Newsgroup de.comm.ham konnte ich den unten angehängten
Text lesen. Durch diese Vorschläge schaffen Sie neuerlich
eine unnötige Klassifizierung unter den Funkamateuren und
dieses nur aufgrund fehlender CW-Kenntnisse?
Sollte sich dieses durchsetzen, werde ich sofort meinen erneuten
Austritt aus dem DARC erklären und den bereits jetzt ergreisenden
150 Mitgliedern des R16 ein Lebewohl zurufen. Ein Walter Ernst
(DJ1MC) würde sich im Grabe umdrehen!
Eine weitere Frechheit in diesem Zusammenhang ist die bereits
erfolgte Publikation des DARC "cqDL Spezial, Auf die Kurzwelle".
Ich möchte mich hier recht herzlich für den Stich mit
dem Messer in den Rücken als Willkommensgruss auf der Kurzwelle
durch den DARC bedanken.
Ich glaube nicht, dass Sie meine "Demokratische Vertretung
der Funkamateure in Deutschland" sind!
Rainer Benemann
DB6EU
seit 1982 mit mehr als 75 Prozent in der Technik.
VHF-DXPEDITION NACH EA8
(red) Eine VHF-DXpedition nach La Palma im Locatorfeld IL18
ist vom 12. bis zum 19. November geplant. DJ6JJ und DL1EJA sind
in EME sowohl während des ARRL-EME-Contests von dort aus aktiv,
als auch danach in Meteor-Scatter während des Schauers der
Leoniden. Die DX-Station wird eine 4-mal-12-Element Yagigruppe und
hohe Senderleistung benutzen. Weitere Details erhalten Sie bei Oliver,
DL1EJA, unter der Emailadresse dl1eja@yahoo.de.
Quelle: www.rsgb.org
GIBT ES BEEINFLUSSUNGEN DURCH MOBILFUNK-FELDER ?
(red) Diese Woche ging ein viertägiger internationaler
Workshop im bayerischen Reisensburg zu Ende, auf dem führende
Experten aus zwölf Ländern den aktuellen Stand der Forschung
auf diesem Gebiet diskutierten.
In acht Grundlagenbeiträgen und acht Fachbeiträgen
aus den Bereichen der Zellbiologie, der Tierphysiologie und der
Hochfrequenztechnik wurde diese Fragestellung aus unterschiedlichen
Sichtwinkeln beleuchtet. Während in sechs Fachbeiträgen
keine Beeinflussung der Blut-Hirn-Schranke durch die eingesetzten
Felder nachgewiesen wurde, deuteten zwei Beiträge auf mögliche
Veränderungen hin, darunter auch die vieldiskutierte Arbeit
der Gruppe um den schwedischen Mediziner Leif Salford.
Quelle: Forschungsgemeinschaft Funk - www.fgf.de
FUNDSTELLE
(red) Auf der Website
www.addx.de
fanden wir eine aktuelle Sondersendung
der ADDX e.V. - der Assoziation deutschsprachiger Kurzwellenhörer
- zur EDXC-Konferenz 2003 in Königstein. Die Aussendung im
MP3-Format enthält viele Informationen speziell zu DRM.
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Hermann, DL1EEC
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durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate
mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet
und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie
bitte an dl0agz@aol.com im Internet
oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.
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